Krippenbetreuung - Bedeutung für die Entwicklung der Kinder
Zeitfenster für die kindliche Entwicklung
Dr. Erika Butzmann weist auf zentrale Aspekte frühkindlicher Entwicklung hin.
Lesezeit des ganzen Artikels 20 Minuten
https://www.erzieherin.de/was-bedeutet-die-fruehe-krippenbetreuung-fuer-die-entwicklung-der-kinder.html
Literatur und 62 Kommentare von Eltern und Fachpersonen am Ende des Links.
Vorab vier Ausschnitte zu einzelnen Aspekten
Worum geht es in dem Artikel?
„Seit Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz für die einjährigen Kinder im Jahr 2013 wird öffentlich ständig propagiert, dass dies im Sinne der Kinder sei, da sie dort gebildet werden und schon früh sozial lernen können. Der Nachweis dafür ist bis heute nicht erbracht, ebenso wenig wie hinterfragt wurde, ob die frühe Krippenbetreuung für Kleinstkinder überhaupt verträglich ist. Die Vielzahl der Studien, die negative Auswirkungen nachweisen, werden nicht zur Kenntnis genommen. Auch die aktuelle prekäre Betreuungssituation, die in erster Linie zu Lasten der Kinder geht, führt nicht zum Nachdenken darüber, was das wohl mit den Kindern macht. So entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass nicht bekannt ist, welche emotionalen Bedürfnisse Kleinstkinder haben und wie wenig die mit der frühen Fremdbetreuung kompatibel sind.“
Zur Leistungsbereitschaft:
„Ein wichtiges unbewusstes Verhalten des Babys und Kleinkindes bei seiner Umwelterkundung benötigt ganz besonders die Aufmerksamkeit der Eltern: Wenn ein- bis zweijährige Kinder etwas Neues können - und das passiert ja dauernd, schauen sie immer strahlend Mutter oder Vater an, weil sie diese als „Spiegel“ für die eigenen positiven Gefühle brauchen. Strahlen die Eltern freudig zurück, kann das Kind unbefangen weitermachen. Dies ist eine wichtige Grundlage zur Leistungsmotivation. Stehen die Eltern durch ganztägige Abwesenheit nicht als „Gefühls-Spiegel“ zur Verfügung, leidet darunter schon früh die Leistungsbereitschaft des Kindes.“
1-3 Jahre: Selbstfindung in seiner Umwelt
„In den ersten zwei bis drei Jahren ist also nicht das soziale Lernen das Hauptentwicklungsthema, sondern das Kind muss sich erst selbst erkennen und sich in seine Umwelt einordnen. Erst dann sind genügend Kapazitäten frei für das soziale Lernen mit anderen.
Mit ca. zwei Jahren hat das Kind dann ein erstes inneres Gleichgewicht erreicht. Das ist aber noch keineswegs stabil. All die neuen Fähigkeiten müssen sich ohne Stress festigen. Das kann nur im Schutz der Familie optimal geschehen. Dann sind die Kinder mit ca. drei Jahren fit und bereit für mehrstündiges Zusammensein mit Gleichaltrigen und anderen Betreuungspersonen.“
Bindungsfähigkeit – Ich-Entwicklung
„Zu dem Zeitpunkt, wo die meisten Kinder in die Krippe kommen, also mit 12 oder 14 Monaten, ist die Bewältigung der erkenntnismäßigen Trennung von der Mutter die vordringlichste Entwicklungsaufgabe für das Kind. Gleichzeitig stabilisiert sich die sichere Bindung an die Mutter. Das kann jedoch nicht gelingen, wenn sie bei diesem bis mindestens zum zweiten Geburtstag andauernden Prozess nur wenig anwesend ist. Das Kind muss den über die Gefühle gesteuerten Prozess konkret erfahren und kann ihn nicht abstrakt im Kopf vollziehen. Die Bindungsentwicklung, die im zweiten Lebensjahr die intensivste Phase hat, kann nicht vonstatten gehen, wenn die Bindungspersonen über den erlebnisreichen Tag hinweg nicht vorhanden ist. Das Krippenkind wird damit in seiner Bindungsfähigkeit und seiner Ich-Entwicklung gleich zu Beginn eingeschränkt.“
01/2026