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Innere Hal­tung – per­sön­li­che Ge­dan­ken 

Wissen allein macht es nicht - auf die Haltung kommt es an

Du bist schwanger und beginnst deinen eigenen Weg. Du triffst Menschen, die dir etwas raten, empfehlen, dir von ihrer Geburt erzählen..., immer größer und größer kommt die Aufgabe vor, die vor dir steht. Vorsorge, Mutterpass, Termine, Familie, Arbeitgeber informieren. Alles in kurzer Zeit.

geburt wie weg ueber bruecke. j.greinkeFoto: Judith Greinke
Du fragst dich, was wichtig ist, willst alles richtig machen, hörst dich um und hakst hier oder da ein. Hebammensuche... alle sagen, es würde Zeit, sonst gehst du leer aus. Müdigkeit, vielleicht Übelkeit, Schonung, wie denn? Und alles in Coronazeiten. Internet, Facebook, Instagramm.... der Kopf ist voll, nimmt nichts mehr auf, vielleicht nur noch krasse Infos? Oder sind es Highlights, bei denen etwas Klick macht?

Ich habe mit Gundula telefoniert. Sie ist Mitglied bei GreenBirth und Geburtsvorbereiterin. Sie berichtete, dass sie den Eltern in ihren Kursen versucht zu vermitteln: „Es kommt auf die Haltung an". „Das ist es wohl", sagte ich, „das ist einen Beitrag im ABC wert".
Was kann mit „Haltung?" gemeint sein?

Mein Partner brachte neulich einen Prospekt über Kinderwagen mit nachhause. Wir freuen uns - wir wollen das Kind. Es verändert sich sehr viel. Wir rücken dichter zusammen, die gemeinsame Lebensperspektive verlängert sich. Ich bekomme ein Kind, wir werden Mama und Papa, irgendwie irre.

Ich fühle mich gesund, warum so viel testen...? Ist ja alles freiwillig, und wenn doch etwas ist? Meine Oma kannte solche Tests nicht, meine Mutter schon, ich wurde gesund geboren..., fühle mich gesund. Vertraue ich meinem Körper? Mutter Natur ist mit im Spiel... (noch eine Mutter!)
Mein Partner ist noch unsicher, ob und wie er mich unterstützen kann. Unsere Freude überwiegt, das steht fest.

Abschirmen
- bei mir bleiben,
- sich konzentrieren,
- mein Baby, wie wird es aussehen?
- wie soll es eigentlich heißen?
- ich werde mich gegen Horrorgeschichten verschließen.

Unser Baby meldet sich
- ich spüre schon etwas in mir, wie ein leichtes Kribbeln...,
- ich nehme mir Zeit ..., frische Luft tanken, schwimmen, tanzen, Musik hören...,
- zurzeit ändert sich, was ich hören, essen mag...,
- bin endgültig kein Mädchen mehr, Tochter schon...,
- meine Mutter wird Oma, komisch, irgendwie nicht real,
- sie ist aufgeregt,
- ich bremse sie, wenn ich ihre Ratschläge nicht hören will...,
- abends spüre ich mein Baby besonders gut,
- oft streichle ich meinen Bauch.

Verantwortung
- so hab ich die bisher nie gespürt...,
- für mich selbst Ja, aber nun auch für ein Baby? Für unser Baby?
- Alle Frauen haben es geschafft...,
- ich will eine gute Mutter sein, ich bin es ja auch jetzt schon...,
- ich schütze uns, dich und mich, und dein Papa macht mit...,
- Ich spreche aus, wenn ich spüre, was für mich – für uns – gut ist.
- Ich mache nur das, was ich bereit bin, zu tun.
- Ist das "Innere Haltung“?

Ja, in diese Richtung geht es.
Dein inneres Gespür wächst, jeden Tag, so wie dein Baby.
Deine eigene Haltung beeinflusst dein Gegenüber, ob Hebamme, ÄrztIn, Klinikpersonal, Partner und Familie, Arbeitgeber...

Dein Nein heißt Nein, dein Ja heißt Ja.
Dein „ich denke darüber nach" - signalisiert, dass du verantwortlich bist und Zeit haben willst, um etwas zu überlegen. Deine Entscheidungen sind zu respektieren. Es gibt dabei kein richtig und kein falsch, denn jede Entscheidung hat seine eigenen Folgen. Du bist Chefin von dir selbst. Niemand weiß besser, wie es Dir und Deinem Kind geht, als Du, Du allein.

Du bist auch „Arbeitgeberin" für die Personen, die die Vorsorge anbieten.
Du bezahlst sie nämlich - mit Deinen Beiträgen an die Krankenkasse oder bar, wenn eine Leistung nicht abgerechnet werden kann.
Darum ist hier besondere Achtsamkeit geboten: Viel hilft nicht viel, im Gegenteil. Es kann beunruhigen, stressen und abhängig machen. Das ist die Kehrseite. Das Argument „den und den Test bezahlt doch die Krankenkasse" lenkt ab. Du kannst nach einer schlüssigen medizinischen Begründung (Indikation) fragen. Denn Du musst in jedem Fall mit den Folgen leben, auch euer Kind. Es ist manchmal sehr schwer, die „richtige" Entscheidung zu treffen. Darum gibt es auch das „Recht auf Nichtwissen" und unabhängige Beratungsstellen für Fragen in der Schwangerschaft.
Bei sich bleiben bedeutet, in jedem einzelnen Fall spüren, was sich für dich und dein Baby richtig anfühlt. Es ist tatsächlich so, wie der Weg über eine unbekannte Brücke. Jeder Schritt mit Achtsamkeit gegangen, führt dich zu deinem Ziel.
Irene Behrmann

10/2022

 

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