Schwangere geringes Risiko für Coronainfektion

Studienergebnis mit guten Nachrichten am 11.11. veröffentlicht

Prof. Dr. Otwin Linderkamp, langjähriger Chef der Neugeborenen-Abteilung der Heidelberger Universitätskinderklinik, hat die Studie für uns gelesen. Seine Ausführungen lesen Sie hier:

Kronos-Studie zeigt geringes Infektions- und Krankheitsrisiko durch das Corona-Virus in der Schwangerschaft
Schwangere Frauen in Deutschland zeigen überwiegend einen günstigen Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von 247 schwangeren Frauen, bei denen in einem Zeitraum von 6 Monaten (03.04. - 01.10.2020) das Corona-Virus nachgewiesen wurde. An der sog. Kronos-Studie sind 98 Geburtskliniken beteiligt, in denen halbjährlich etwa 93.000 Geburten versorgt werden.

Nur 0,27 % der Gesamtgruppe positiv getestet
247 von 93.000 schwangeren Frauen (= 0,27%) wurden in der Studie CoV-positiv getestet. Im gleichen 6-Monats-Zeitraum wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 0,36% der 15-35 Jahre alten Frauen in Deutschland positiv getestet. Die schwangeren Frauen der Kronos-Studie sind mit der Gesamtpopulation 15-35 Jahre alter Frauen nur bedingt vergleichbar. Die Zahlen sprechen aber dafür, dass schwangere Frauen nicht empfänglicher für das Corona-Virus sind als nicht-schwangere Frauen, eher weniger.

Studie in Jena an 225 schwangeren Frauen ohne Nachweis von Corona
Für ein geringes Infektionsrisiko spricht auch eine in Jena durchgeführte Studie an 225 schwangeren Frauen, von denen bei keiner das Virus nachgewiesen wurde. Angemerkt sei, dass z.Z. die Gruppe der 15-35-Jährigen Frauen und Männern die höchsten Infektionsraten aller Altersgruppen aufweisen. Schwangere Frauen und ihre Familien sind möglicherweise besonders hygienebewusst, so dass die Infektionsgefahr geringer ist als in der Gesamtbevölkerung.

Milder Krankheitsverlauf
Die Kronos-Studie zeigt außerdem, dass die Krankheitsverläufe bei mit Corona-Virus infizierten schwangeren Frauen relativ milde sind. Lediglich 14 Frauen der mit Corona angesteckten Frauen (5,6%) wurden intensivmedizinisch behandelt, 2% künstlich beatmet. Die meisten Frauen sind inzwischen genesen.

Aber: Mehr Kaiserschnitte – mehr Frühgeborene bei den infizierten Frauen
Es wurden allerdings mehr Frauen durch Kaiserschnitt entbunden (43%) als in der Gesamtbevölkerung (ca. 30%). Auch die Zahl der Frühgeborenen war höher (13,7%) als die bundesdeutsche Rate von etwa 9%. Die erhöhte Kaiserschnittrate kann auf die Erkrankung zurückgeführt werden. Aus anderen Studien ist aber bekannt, dass Kaiserschnittgeburten bei Corona-infizierten Frauen oftmals vom Personal gewünscht werden, um die Infektionsgefahr des Kindes und des Personals zu vermindern. Die erhöhte Frühgeborenenzahl könnte wiederum zum Teil durch die größere Zahl an Kaiserschnitten erklärt werden, da diese oftmals vor dem Termin vorgenommen werden.

4 Kinder infiziert – ohne Symptome
Von den inzwischen geborenen 183 Kindern wurde bei 4 (2,2%) das Corona-Virus nachgewiesen. Keines der 4 Kinder entwickelt Symptome einer Corona-Infektion.

Die Kronos-Studie zeigt somit, dass schwangere Frauen und ihre Neugeborenen auch in der Zeit von Corona kein erhöhtes Risiko zu Infektion und schwerem Verlauf einer Corona-Erkrankung befürchten müssen.

Die beiden genannten Studien können über folgende Links aus dem Internet geladen werden:

  • Pecks U, Kuschel B, Mense L, Oppelt P, Rüdiger M (2020) Schwangerschaften und SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland – das CRONOS-Register. Deutsches Ärzteblatt 117:841-842. 
  • Zöllkau J, Baier M, Scherag A, Schleußner E, Groten T (2020) Periodenprävalenz von SARS-CoV-2 in einer unselektierten Stichprobe schwangerer Frauen in Jena, Thüringen. 

11/2020