Be-up-Studie - Schwerkraft nutzen

Gebären in aufrechter Haltung

Frauen, die in aufrechter Haltung, mit Bewegung verbunden gebären, haben weniger Schmerzen, die Geburt ist kürzer, Geburtsverletzungen seltener, desgleichen die Erfordernis von Schmerzmitteln.
Diese Erfahrung machen  viele Mütter in Geburtshäusern, zuhause und in Kliniken, wenn man sie denn lässt. Abgeguckt hatten sich das aufrechte Gebären Hebammen und EthnologInnen in den 1960er Jahren bei Völkern, die noch wenig von westeuropäischen und US-Amerikanischen Einflüssen bestimmt waren. Die Studien führten zu einer Wiederbelebung einer schwerkraftgerechten Geburt bei uns, zumeist außerhalb von Kliniken.*

Vielleicht wird man diese Forschungsreisen einmal als den Beginn der Wiedererstarkung der Hebammenkunst in unserer Zeit erkennen.
Tatsache ist, dass die liegende Geburt das Ergebnis medizinischer Sichtweisen "auf" das Geschehen sind. "Küchentisch-Arbeitshöhe" bezeichnet Christiane Schwarz diese kulturgeschichtliche "Neuheit" im Medizinbetrieb, die das Hebammenwissen ignorierte.

Die Be-up-Studie läuft bis Ende 2020. Danach wollen die Initiatorinnen, ein Team um Prof. Dr. Gertrud M. Ayerle, 4000 Geburtsaufzeichnungen aus verschiedenen Kliniken, die sich an dem Versuch beteiligten, auswerten.

Was vergleicht die Be-up-Studie?
Es sollen Geburten verglichen werden, bei Müttern mit einem Kind in Schädellage. Komplikationen sollen im Vorfeld nicht zu erwarten sein. Nach dem Zufallsprinzip werden die Frauen, die dabei mitmachen wollen und eine vaginale Geburt wünschen ausgelost. Die einen gehen in einen üblichen Kreißsaal, die andern in einen Raum, dessen Gebärbett hinter einer Wand/Vorhang  versteckt steht und das mit Matten, Hocker, Sitzkissen und -rollen ausgestattet ist. Zusätzlich gibt es Entspannungsmusik, süße und herzhafte Snacks.
Die Frauen/Paare können sich frei bewegen und die vorhandenen Sitzmöbel beliebig verändern, sitzen,liegen, wie sie wollen.
Verglichen werden soll am Ende, ob und wie die Umgebung Einfluss auf den Geburtsmodus und die Gebärhaltung der Frau hat.
Das Be-up-Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

*GKV Pilotstudie von 2011: in Kliniken 86,1 % liegende Geburten, in von Hebammen geleiteten Einrichtungen 23,7 %.