Recht auf Nichtwissen und ungetestete Schwangerschaft

Grundinformation

Ihr Recht auf Nichtwissen ist gesetzlich verankert. Darauf müssen Sie hingewiesen werden. Das bedeutet, dass Sie grundsätzlich zu keiner Vorsorgemaßnahme oder Untersuchung verpflichtet sind. Sie haben immer die Wahl. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass Pränataldiagnostik und IGe-Leistungen keine Angebote der Schwangerenvorsorge sind.

Vorsorgeuntersuchungen können Sie von einer Hebamme durchführen lassen. Sie bietet keine pränataldiagnostischen Untersuchungen an, würde Ihnen aber dazu raten und Sie an einen Arzt verweisen, wenn sie einen Hinweis auf eine Auffälligkeit feststellt. Hebammen sind dafür ausgebildet, gesunde Schwangerschaften und Geburten zu betreuen.
Ärzte richten Ihren Blick auf die Pathologie (Krankheit). Sie bieten zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen, die auch Hebammen machen, pränataldiagnostische Untersuchungen an. Die Grenzen zwischen Vorsorge und Pränataldiagnostik sind in der ärztlichen Praxis fließend. Im Mutterpass ist nicht zu erkennen, welches die Vorsorgeuntersuchungen sind.

Ultraschalluntersuchungen können immer auch pränataldiagnostisch genutzt werden. Das sollten Sie wissen, um Nein sagen zu können und Ihr Recht auf Nichtwissen geltend zu machen. Ultraschall darf ab 31.12.2020 nicht mehr ohne medizinische Indikation angewandt werden, weil seine Unschädlichkeit nicht nachgewiesen ist. Im Gegenteil: Wirkungen thermischer und mechanischer Art sind seit Jahrzehnten bekannt. Man weiß auch aus Tierversuchen, dass die Migration (Wanderung) der Hirn- und Nervenzellen durch Ultraschallwellen gestört werden kann. Darum gilt für die Ultraschallanwendung die Regel: So wenig und so kurz wie möglich (ALARA-Prinzip). Ultraschall ohne medizinische Indikation ist eine Ordnungswidrigkeit und darf nicht mehr angeboten werden. Eltern müssen vor jeder Ultraschallanwendung aufgeklärt werden. Das muss auch dokumentiert werden. Hier erfahren Sie mehr.

Eine Ultraschalluntersuchung kann sinnvoll sein, um die Lage der Plazenta (Mutterkuchen) sehen zu können und um herauszufinden, ob eine Zwillingsschwangerschaft vorliegt. Diese Untersuchung wird von Hebammen ab der 20. Schwangerschaftswoche empfohlen. Vor Durchführung dieser Untersuchung müssen Sie gegebenenfalls Ärztin/Arzt davon in Kenntnis setzen, dass Sie keine Pränataldiagnostik wollen. Es ist auch Ihre Entscheidung, ob Sie das Geschlecht Ihres Kindes schon in der Schwangerschaft erfahren möchten.

Ihrem Kind tut gut, wenn es in ungestört wachsen darf. Untersuchungen sind nicht durch Neugierde und Wissenwollen zu rechtfertigen, denn diese können für Sie als werdende Eltern wie auch für ihr Baby Verunsicherung und Stress mit sich bringen. Stress belastet und kann sich auf Ihr Kind auswirken.
Manche Frauen haben Vertrauen in sich und ihren Körper. Zusätzlich zu wissen, dass eine Hebamme ansprechbar ist, falls Fragen auftauchen, kann sehr beruhigend sein. Sie kann Ihnen mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen zur Seite stehen.
Sollte Ihr körperlicher Zustand oder der Ihres Baby doch wider Erwarten zu Bedenken Anlass geben, wird sie Ihnen ohne Zögern raten, eine Ärztln aufzusuchen – zu Ihrer eigenen Sicherheit und der Ihres Babys.

05/2021