Elterliche Rechte

Elternrechte stehen über dem Berufsrecht von Hebammen und ÄrztInnen

Mütter und Väter tragen für ihre Kinder bereits vor der Geburt Verantwortung, das ist verfassungsrechtlich so geregelt. Das gilt für das Angebot der Vorsorge bei der Hebamme und/oder ÄrztIn, für IGe-Leistungen, die gegen Geld auf dem Gesundheitsmarkt angeboten werden und für alle Entscheidungen rund um die Geburt des Kindes (Ort, Hebammen- und/ oder Arztbegleitung, Medikamente, operative Eingriffe, Ultraschall usw.). Darum müssen Sie über alles (Vor- und Nachteile, Risiken, Bedeutung und mögliche Folgeuntersuchungen, Wirkungen für das Kind) gründlich informiert werden und meist auch ihr Einverständnis mit Unterschrift geben. Für das ungeborene Kind gelten die Menschenrechte von Anfang an. Die Eltern sind die Treuhänder der Rechte ihres Kindes. Was heißt das?

Mutter und Baby leben vorgeburtlich verbunden in einer einzigartigen Einheit. Darum haben alle Untersuchungen beim Kind auch Auswirkungen auf die Mutter. Und alles, was sie fühlt, fühlt auch das Kind. Das Befinden von Mutter und Kind bildet eine untrennbare Einheit, physiologisch, emotional und sozial. Darum ist es so wichtig, dass Frauen, die ein Baby in sich tragen, gut auf ihre innere Stimme hören. So schützen sie ihr Kind. Mütter spüren meist sehr genau, ob es ihrem Kind gut geht. Das bezeugen zig Berichte von Frauen, die erst beim zweiten Kind so mutig sind, sich auf sich selbst und ihr Gespür zu verlassen.

Wer sich zur Geburt im arztgeleiteten oder Hebammenkreißsaal Kreißsaal anmeldet, sollte sich unbedingt informieren, welche Handlungen durch S3-Leitlinie (2020) neu geregelt wurden. Z. B. lösen neue Empfehlungen bisherige Routinehandlungen ab. So soll nicht mehr automatisch ein CTG geschrieben werden, wenn Sie den Kreißsaal betreten. Essen und Trinken ist erlaubt, nach vorzeitigem Blasensprung kann die gebärende Frau noch 24 Stunden zuhause bleiben, sogar die Geburt im Liegen wird nicht mehr empfohlen, usw. Sie können sich im Geburts-ABC unter Buchstabe L genau über die neuen Empfehlungen (Leitlinie S3-Überblick) informieren. Fragen Sie in Ihrer Wunschklinik nach, ob die neuen Leitlinien dort umgesetzt werden. Ihre Wünsche sollten unterstützt und respektiert werden.

Sie können sich eine andere Klinik suchen, wenn Sie merken, dass man Ihren Wünschen nicht wirklich nachkommt. Die Erfahrung zeigt: Erst, wenn Eltern ihre Elternkompetenzen wirklich in Anspruch nehmen, wird sich auch in den Kliniken etwas ändern. Alles, was jetzt mit der neuen Leitlinie erreicht wurde, ist vor allem Eltern zu verdanken, die sich trauten, zu berichten, was ihnen passiert ist.

Eine Geburt außerklinisch oder im Hebammenkreißsaal liegt in Hebammenverantwortung. Selbstverständlich sollten Sie auch hier mitreden und mitdenken. Das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, sollte Sie auch hier leiten.
Für das ungeborene Kind gelten die Menschenrechte von Anfang an. Die Eltern sind die Treuhänder der Rechte ihres Kindes.

§ 218
Im Konfliktfall gilt, dass das Lebensrecht des Kindes und das Recht der Mutter auf Selbstbestimmung gegeneinander abgewogen werden müssen. Der Staat akzeptiert die Entscheidung der Mutter und verzichtet auf Bestrafung. Der Staat verpflichtet die Frau, sich bei dem Abwägungsprozess beraten zu lassen. Das ist verfassungsfest geregelt.

Sorgerecht
Für das geborene Kind haben die Eltern das sogenannte Sorgerecht, um ihr heranwachsendes Kind zu führen und zu leiten. Das gilt bis weit in die Kindheit hinein, bis das Kind aufgrund seines Alters selbst nach und nach stufenweise seine Rechte selbstständig wahrnehmen kann.

Aktuelles Beispiel
Wir informieren Sie über die neue Verordnung zum Gebrauch des Ultraschalls in der Schwangerschaft.
Der beigefügte Flyer: (Wusstest du schon?) informiert, warum der Gesetzgeber den uneingeschränkten Gebrauch dieser Diagnostiktechnologie begrenzt hat. Sie als Eltern allein können Ihr Baby vor unnötigen Strahlungen schützen, deren Harmlosigkeit nicht bewiesen ist. 

05/2021