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Wehenschwäche Diagnose aus Zeitmangel

Weheneinleitung verhindern, aber wie?

Insbesondere beim ersten Kind braucht die Entwicklung des Hormons Oxytocin Zeit. Mutter und Baby stimmen sich auf die Geburt ein. Gewaltige Veränderugen stehen bevor. Geburt selbst ist Bewegung. Erfahrungen von Frauen besagen, dass sie gern ihre Haltung ändern, um weniger Schmerzen zu haben. Wehen beginnen meist langsam. Ruhepausen für die Mutter und das Kind sieht die Natur vor. Die physiologische Hormonausschüttung wird im Stammhirn der Mutter, dem ältesten Gehirnteil, gesteuert.
In der Klinik angekommen, bleiben Wehen häufig aus, die zuhause noch wirksam waren. Kein Wunder, denn die Umgebung ist ja fremd, die Gerüche, der Hall, das Kunstlicht, die innere Aufregung, wie es werden wird. Eine Zeit der Gewöhnung an die neue Situation ist erforderlich.
In der Klinik muss damit gerechnet werden, dass der dort herrschende Zeitplan eingehalten werden soll. "Wenn bis morgen früh nichts passiert ist, müssen wir einleiten", solche Worte hören viele Frauen. Die physiologischen Prozesse haben sich in Jahrhundertausenden bewährt. Zeitpläne in der Klinik berücksichtigen das nicht. Darum ist solche eine Diagnose zunächst nichts weiter als Ausdruck der Zeitplanung der Klinik.

Sie haben aber ein Recht darauf zu wissen, ob es einen echten Grund zur Eile gibt.
Wie können Sie auf eine solche Ansage reagieren, im Wissen, dass es Pausen und Ruhephasen geben darf? Wie können Sie vermeiden, dass es eine unnötige Geburtseinleitung gibt?

Bitten Sie um einen Beweis dafür, dass das Baby sofort geboren werden muss.
Teilen Sie mit, dass der ET ja nur geschätzt ist.
Fragen Sie, ob nachweislich irgend etwas bei Ihrem Kind nicht in Ordnung ist.
Erinnern Sie sich an das Merkwort V R A N N I:

- V = Vorteil: welchen Vorteil haben künstliche Wehenmittel für mich und mein Baby?
- R = Risiko: Welches Risiko besteht, wenn meinem Baby nicht genügend Zeit gegeben wird, geboren zu werden?
- A = Alternativen: Welche anderen Möglichkeiten als künstliche Wehenmittel gibt es? (Noch einmal Nachhause gehen als Vorschlag sollten Sie ernst nehmen in Kenntnis des Zeitdrucks, dem das Personal ausgesetzt ist und in Kenntnis der Tatsache, dass sich Wehen in der Anfangsphase über viele Stunden und auch Tage hinziehen können.)
- N = Notfall: Besteht ein Notfall?
- N = Nichtstun: Was passiert, wenn einfach abgewartet wird?
- I  = Individuell: Erinnern Sie sich, dass Sie Ihr Kind in Ihrem eigenen Tempo zur Welt bringen werden.

Nachweislich sind künstliche Wehen sehr schmerzhaft. Der Gebärmuttermuskel zieht sich krampfartig zusammen. Die Stärke hängt von der Dosis des Medikamentes ab, das über die Vene zugeführt wird. Jede Frau reagiert anders auf das Medikament. Die Dosierung kann nicht so fein abgestimmt werden, wie es Mutter Natur bei den körpereigenen Hormonen macht. Pausen? Mutter und Kind müssen dem Rhythmus des Wehenmittels folgen. Das kann beide überfordern. Die Folge: Viele Frauen verlangen nach Schmerzmitteln. Die PDA wirkt aber nur bei der Mutter. Sie kann dann nicht mehr laufen. Im Liegen erschwert sie dem Baby den Weg auf die Welt. Im Liegen ist der Platz durch das Becken hindurch nachweislich weit geringer als bei aufrechter Körperhaltung. Eine liegende Mutter, die ihren Unterleib nicht fühlt, erschwert, ohne dass sie das will, dem Kind die Geburt. Das reagiert oft, mit auffälligen Herztönen, einem dann ernst zu nehmenden Warnsignal. "Wehenschwäche" und "Schlechte Herztöne" sind die häufigsten Diagnosen, die einem Kaiserschnitt vorausgehen. 

Das natürliche Oxytocin ist der MutterBaby Situation angepasst. Dazu gehören auch Wehen-Schwankungen und Pausen. Die Mutter kann sich bewegen, sie muss nicht ständig verkabelt bleiben. Dadurch bleibt sie im Kontakt zum Baby und kann den Prozess der Geburt geschehen lassen. Das Kind findet im eigenen Tempo seinen Weg auf die Welt.