
Wehen fördernde Mittel
Wehen fördernde Mittel werden dann gegeben, wenn der vegetative, hormonell bedingte Prozess der Geburt als zu schwach oder zu langsam diagnostiziert wird. Solcher Wehenschwäche wird mit Wehen fördernden Mitteln begegnet. Synthetische Hormone stehen dafür zur Verfügung. Sie bewirken, dass sich der Gebärmuttermuskel zusammenzieht. Hier gibt es keine körpereigene Abfederung der Schmerzen durch Endorphine, wie beim natürlichen Schmerz. Folglich muss der künstlich erzeugte Schmerz, der nun die Grenze des normalen Schmerzes weit übersteigt, mit künstlichen Schmerzmitteln „bekämpft“ werden. Es gibt Hinweise, dass wehenerzeugende Medikamente auch die Gebärmutter eines weiblichen Babys schmerzhaft stimulieren. Seine Gebärmutter erreicht unter der hormonellen Einwirkung der Geburt die Größe wie im Alter eines siebenjährigen Mädchens, bevor sie sich dann wieder verkleinert. Untersuchungen zur Wirkung künstlicher Wehenmittel auf weibliche Kinder sind uns nicht bekannt, obgleich laut Hersteller des künstlichen Hormons Syntocinon nachgeburtlich bei einigen Kindern (männlich, weiblich?) krampfartige Reaktionen beobachtet werden**.
Nach einer Studie zur klinischen Geburtshilfe äußern 83% der ExpertInnen, dass künstliche/ eingeleitete/ durch Medikamente hervorgerufene Wehen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die Geburt mit Kaiserschnitt beenden zu müssen*. Als einer der Gründe werden die nicht mehr aushaltbaren Schmerzen genannt.
Schmerzfreiheit für die Mutter
Es gibt keine uns bekannten Langzeitstudien über die psychischen Auswirkungen der PDA auf das Erleben des Kindes. (Periduralanästhesie = danach kann die Gebärende ihren Unterkörper nicht mehr oder kaum noch spüren.) Eine evtl. gravierende Folge ist, dass das Kind in einer entscheidenden Phase die Geburtsarbeit allein machen muss. Wenn der Kontakt zur Mutter am wichtigsten wäre, „verlässt“ die Mutter den Ort des Geschehens, indem sie sich betäuben lässt. Das heisst, dass der mütterliche Körper nicht mehr auf die Wehen reagiert, wie er es vorher getan hat. Dies wird vom Baby wahrgenommen, da die Mutter ja auch nicht mehr mit Veränderungen in Haltung, Position antwortet, um es dem kleinen Kind leichter zu machen, wie es vorher war. Das heisst, dass zusätzlich zu der von jetzt an erschwerten Geburtsarbeit für das Kind ein Gefühl von Verlassenwordensein, von Seiten der Mutter hinzukommen kann. Die Schmerzfreiheit der Mutter ist die eine Seite, das seelische Erleben des Kindes findet bei diesem medizinischen Eingriff keine Beachtung. Das heisst, dass die Schmerzfreiheit der Mutter auf Kosten des Kindes geht. Es wäre kein Wunder, wenn das Kind jetzt mit abfallenden Herztönen (Lähmung, Schock?) oder mit panischen Reaktionen (erhöhter Herzschlag) reagiert. Beides kann man durch Überwachung der Herztätigkeit des Kindes feststellen.
Einfluss auf den Geburtsprozess
Geburt im Liegen, ohne Bewegungsfreiheit, das Anschließen an technische Geräte, Unruhe, Allein gelassen werden, Zeitmangel, Krankenhausroutine, wechselndes Personal oder Uneinigkeit unter den Geburtshelfern verunsichern die Gebärende und ihren Partner erheblich. In der Folge kann die Schwangere Angst bekommen, die sich hormonell unmittelbar auf das Kind auswirkt. „Schlechte Herztöne“ sind eines der meist genannten Gründe für einen sogenannten Notkaiserschnitt.
Medizinische Eingriffe konkret
Nach Auswertung von rund 1 Million Krankenhausgeburten aus Niedersachsen in 15 Jahren, erfolgen nur noch 7% ohne jede Manipulation. Schon 2003 registrierte die Gesundheitsexpertin Professorin Beate Schücking diesen Trend:
„In einem hohen Prozentsatz physiologisch verlaufender Geburten werden Medikamente verabreicht: von krampflösenden Zäpfchen bis hin zu synthetischen wehenfördernden bzw. - hemmenden Hormonen – meist über Verweilkanülen – und hochpotenten Betäubungsmitteln, wie zum Beispiel die PDA. Auch operative Interventionen wie der Dammschnitt sind häufig, …operative Beendigung der Geburt mit Zange, Saugglocke oder Kaiserschnitt erfolgen in einem beträchtlichen Prozentsatz aller Geburten…“.***
Zum Vergleich: Bei der außerklinischen Geburtshilfe sind es ca. 90% der Geburten, die ohne medizinische Interventionen auskommen.
Charta: Jedes Kind hat das Recht darauf, dass medizinische Interventionen von Anfang an immer auch auf ihre seelische Auswirkung hin reflektiert und verantwortet werden.
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* Befragung von geburtshilflichen Expertinnen. In: Caroline Oblasser, Ulrike Ebner, Gudrun Wesp:
Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht., Riedenburg Verlag Salzburg 2007, S. 274 ff.
** Irene Behrmann, Marianne Sturm: Leben und Geburt. Mattes Verlag Heidelberg 2008, S. 78 ff.
*** Beate A. Schücking (Hg): Selbstbestimmung der Frau in Gynäkologie und Geburtshilfe. Verlag Vandenhoeck
und Ruprecht Göttingen, 2003, S.25.


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