
Lange Zeit wussten wir sehr wenig über das, was Kinder vor der Geburt vom Leben „draussen“ mitbekommen. Man glaubte sogar, dass entsprechend der Haeckelschen Lehre (er war Zeitgenosse Darwins) die Kinder in komprimierter Weise die gesamte Evolution „durchmachen“. Heute gilt: Kinder sind von Anfang an Menschen und es gibt keinen Zustand, in dem sie Nicht- Mensch wären (Blechschmidt 1985**).
Bis 1970 etwa konnte man nur aus Beobachtungen schlussfolgern. Zum Beispiel bemerkte einmal ein Arzt im Krankenhaus, dass ein Kind nicht an der Brust seiner Mutter trinken wollte. Einer Eingebung folgend bat er eine andere Frau, ob sie versuchen könnte, den hungrigen Säugling anzulegen. Da trank das Kind. Das erzählte er der Mutter. Diese weinte und sagte, dass sie das Kind nicht gewollt habe (Fedor-Freybergh 1987).
Solche Erfahrungen regten Forscher zu systematischen Beobachtungen und Langzeitstudien gezielt an. David Chamberlain* und andere sammeln erstaunliche Daten und legen sie der Öffentlichkeit vor. Inzwischen haben wir ein klares Bild vor Augen. Durch wissenschaftliche Studien, durch Kinder- und Erwachsenentherapien, durch Beobachtung frühgeborener Kinder und deren Berichte und Malereien, ist mittlerweile klar, dass nicht nur die frühe Kindheit sondern auch die Zeit vor der Geburt in bedeutender Weise prägend ist.
Das folgende Zitat von David Chamberlain mag Sie motivieren, sich hier weiter kundig zu machen:
„Besonders negativ hat sich die Auffassung ausgewirkt, demzufolge das unfertige Gehirn vor und selbst bei der Geburt keine sinnlichen Wahrnehmungen, Gefühle, Lernen/Gedächtnis, Persönlichkeit oder Denken zulässt. Obwohl sich diese Auffassung mit den heutigen Erkenntnissen nicht mehr verträgt, wird sie immer noch herangezogen, um die Anzeichen fötaler Intelligenz herunterzuspielen, schmerzhafte Methoden in Chirurgie und Geburtshilfe sowie unsensible Adoptionspraktiken zu legitimieren und Eltern zu entmutigen, mit dem Baby in utero zu kommunizieren.“*
* David Chamberlain, Psychologe und Hypnotherapeut: Neue Forschungsergebnisse aus der Beobachtung vorgeburtlichen Verhaltens. In: Janus, Ludwig, Haibach Sigrun (Hrsg):Seelisches Erleben vor und während der Geburt. LinguaMed-Verlag Neu-Isenburg 1997, S. 24.
**Erich Blechschmidt, Göttinger Anatom und Embryologe, gest. 1992.


e.V.