Wie es von Natur aus ist

Erinnern wir uns daran, dass wir Menschen aus der Natur hervorgegangen sind und darum Schwangerschaft und Geburt ihren biologischen Prozessen unterworfen sind. Vor Tausenden Jahren liefen Geburten genauso ab wie heute. Überall auf der Welt ist es so: Frauen, Mütter oder Hebammen, die schon Kinder geboren haben, helfen den Gebärenden. Die Kinder sind auf die natürlichen Abläufe ihrer Geburt programmiert.

Die Frauen dieser Welt haben Erfahrungswissen über Schwangerschaft, Geburt und Stillen. Sie haben erlebt, dass es um natürliche biologische Abläufe geht. Das wird auch heute bei Hausgeburten und in Geburtshäusern tausendfach erlebt.

Deswegen leitet eine Hebamme die Geburt, egal, wo sie stattfindet, auch im Krankenhaus. Für einen Arzt hingegen besteht die gesetzliche Hinzuziehungspflicht einer Hebamme.

 

Was sich kulturell verändert hat

Die medizinisch-technisch ausgerichtete Geburtshilfe breitete sich seit den 1970er Jahren immer weiter aus. Gleichzeitig wurde die freie, durch Hebammen verantwortete Geburtshilfe immer weiter an den Rand gedrängt. Im Fahrwasser medizinisch-technischer Hochleistung kam es mehr und mehr zur programmierten Geburt. Sie beinhaltet die Illusion einer technisch bedingten Sicherheit vor und bei Geburten.

Die Sicherheit beim Autofahren wird durch Fuß- und Handbremse, durch Airbag und Gurte gewährleistet. Das Leben soll durch Versicherungen gegen Risiken abgefedert werden. Es scheint, als würde dieses Denken 1:1 übertragen, - als wäre es tatsächlich möglich, bei Geburten höchste Sicherheit zu erlangen, durch Ultraschall, Labortests, Nackenfaltenmessung, Wahrscheinlichkeitsberechnungen, Fruchtwasserpunktion oder Entnahme von Plazentagewebe.

Hier liegt die Gefahr, dem Irrtum der Machbarkeit zu erliegen. Kinder, als Geschenk der Natur funktionieren nicht nach technischen Gesetzen. Sie stehen in tiefer biologisch-sozialer Wechselbeziehung zur Mutter, die selbst ein lebendiger und verletzlicher Organismus ist. Sie ihrerseits reagiert in Wechselbeziehung zum Vater, der Familie und der Gesellschaft. Mutter und Kind vor der Geburt sind in besonderem Maße schutzbedürftig, weil sie als Einheit störanfällig sind. Sie brauchen eher Ruhe und Gelassenheit im Umfeld, als zu ständigen Kontrollen von einer Untersuchung zur nächsten bestellt zu werden.

 

Folgen bedenken

Eltern mögen Sicherheit suchen, aber unter Berücksichtigung möglicher Folgen auch für das Kind und im Respekt vor den natürlichen, physiologischen Abläufen zwischen Mutter und Kind. Ein Kind, das von ahnungslosen Fachleuten und Eltern nicht geschützt wird, dessen “Qualität” von Anfang an immer wieder “geprüft” wird, nimmt möglicherweise größeren seelischen Schaden.

 

Charta: Jedes Kind hat das Recht darauf, dass medizinische Interventionen von Anfang an immer auch auf ihre seelischen Auswirkungen hin reflektiert und verantwortet werden.

 

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